Die Umgestaltung der Schillerpromenade und des Herrfurthplatzes versteht sich als Erneuerung des zentralen öffentlichen Freiraums im Schillerkiez zu einer zusammenhängenden urbanen Landschaft, in der Mobilität, Ökologie und alltägliches Leben zu einem zukunftsfähigen Ganzen verwoben werden.
Auf einer Fläche von rund 20.000 m² greift das Projekt die historisch lineare Struktur der Promenade und des kreisförmigen Platzes als ordnende Leitmotive auf, stärkt die räumliche Identität des Ortes und verleiht einem der wichtigsten Begegnungsräume Neuköllns neue Kontinuität.
Herrfurthplatz und Schillerpromenade werden als zwei eigenständige Räume mit unterschiedlichen Charakteren verstanden, die durch den Entwurf in eine kontinuierliche Beziehung zueinander treten.
Der Platz bewahrt seine offene Raumwirkung rund um die Genezarethkirche, während die Promenade ihren linearen Charakter und ihre Funktion als Wegverbindung behält.
Am Herrfurthplatz ordnet die konzentrische Geometrie die verschiedenen räumlichen Ebenen. Offene zentrale Bereiche werden von Grünflächen und Bäumen schrittweise gefasst um eine flexibel nutzbare Raumabfolge zu ermöglichen, die vom alltäglichen Aufenthalt bis hin zum Wochenmarkt und temporären Veranstaltungen die Aktivitäten im Kiez aufnehmen kann. Um auch den Verkehr um den Platz neu zu organisieren, kommt hier “grindig” zum Einsatz. Der eingriffsarme in situ Beschnitt des Großsteinpflasters erlaubt eine rasche und nachhaltige Verwandlung der Verkehrsfläche in eine Fahrradstraße.
Die Schillerpromenade entwickelt dagegen eine lineare Raumfolge. Ihre Längsstruktur wird von Grünflächen, Spielbereichen und Aufenthaltsorten begleitet. Die beiden bestehenden Spielplätze bleiben erhalten und werden durch neue Angebote für Spiel, Bewegung und Begegnung unterschiedlicher Generationen ergänzt.
Wege, Grünflächen, Baumbestand und Materialien durchziehen beide Bereiche und schaffen eine erkennbare räumliche Verbindung. So entsteht eine Gestaltung, die unterschiedliche Maßstäbe und Raumformen innerhalb einer gemeinsamen Struktur verbindet. Die Konzentration des Raumes rund um die Kirche trifft auf die Weitläufigkeit der Promenade, während Vegetation, Wege und Aufenthaltsbereiche die Beziehung zwischen beiden Räumen gestalten.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die frühzeitige und kontinuierliche Beteiligung der Öffentlichkeit.
In Workshops mit Kindern und Jugendlichen, Gesprächen mit lokalen Akteur:innen, öffentlichen Beteiligungsveranstaltungen sowie über eine digitale Beteiligungsplattform flossen die Ideen, Bedürfnisse und Perspektiven der Anwohner:innen und Nutzer:innen unmittelbar in den Planungsprozess ein. Die Erkenntnisse aus der großen Beteiligungswerkstatt in der Genezarethkirche und der Partizipation zu den Tierwelten bildeten die Grundlage für einen Entwurf, der sowohl auf die räumlichen Qualitäten des Ortes als auch auf die sozialen Dynamiken des Quartiers reagiert und dessen Identität weiterentwickelt.